MILAN SLADEK  *23. Februar 1938, Strezenice  Slowakei 

Pantomime, Choreograph, Regisseur und Pädagoge 

 

Zuerst faszinierte Milan Sladek die bildende Kunst. Er besuchte die Kunstfachschule in Bratislava mit Schwerpunktfach „Holzschnitzerei“, die er 1957 mit dem Abitur abschloss. Schon während der Mittelschule interessierte er sich zudem für das Theater. Seine ersten Pantomimen gab er im Studententheater der J. A. Comenius-Universität in Bratislava.  Milan Sladek setzte sein Studium an der Theaterfakultät der Akademie für musische Künste in Bratislava im Bereich Schauspiel fort. 1958 stellte er seine erste Inszenierung "Abend der Pantonime" in Bratislava vor. In den darauffolgenden Jahren wurde er Schüler von Emil Frantisek Burian in Prag, einem Magier des poetischen Theaters und einem der wichtigsten Begründer der tschechischen Avantgarde.  Hier bekam Sladek sein erstes professionelles Engagement.  Mit Eduard Zlabek, dem Solotänzer und Choreographen des Burian-Theaters „D34“, gründete Milan Sladek sein erstes Pantomimenensemble.  Am 10. März 1960 feierte die Pantomimenkomödie „Hrca" / „Die Beule“ Premiere.  Hier betrat seine Kunstfigur „Kefka", Sladeks Alter Ego, zum ersten Mal die Bühne.

 

Sladeks Sichtweise auf die Pantomimenkunst unterscheidet sich deutlich von den französischen Pantomimenkünstlern. In seinen ersten Pantomime-Inszenierungen legt er bereits den Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit seinem Ensemble. Themen und Ausdrucksmittel, die er für seine Inszenierungen wählt, beeinflussen seine pantomimische Darstellung und seinen persönlichen Ausdruck - so sind seine Arbeiten anders- und einzigartig.  

 

1962 kehrte Sladek mit seinem Ensemble nach Bratislava zurück, und sie wurden zu einer autonomen Gruppe im Slowakischen Nationaltheater. Milan Sladek erhielt mit seinem Ensemble verschiedenste Einladungen ins Ausland und wurde in den folgenden Jahren regelmäßig Gast bei renommierten ausländischen Festivals.  Im Jahr 1968 übernahm Milan Sladek die Leitung eines Theaterstudios in Bratislava, das drei Ensembles unter einem Dach beherbergte - Pantomime, Kabarett und Schauspiel.  In demselben Jahr begannen die vielversprechenden politischen Ereignisse - der sogenannte "Prager Frühling".  Am 21. August 1968 überfielen die Armeen von fünf Staaten des Warschauer Paktes die Tschechoslowakei.  

 

Noch im Jahr 1968 verließ Milan Sladek sein Land und zog mit einem Teil seines Ensembles nach Schweden und 1970 von dort aus in die Bundesrepublik Deutschland.  Hier wird Köln am Rhein zu seinem zweiten Zuhause, und er findet neuen Raum für die weitere Entwicklung seines Schaffens. Die Pantomimenkunst kennt keine Sprachbarrieren, und so akklimatisierte sich Milan Sladek in der neuen Umgebung rasch.  

 

Sein Ensemble gehörte zu den renommiertesten Pantomimenensembles in der Welt.  

 

1974 eröffnete Milan Sladek sein „Theater Kefka“ in Köln, das Theater, das zu damaliger Zeit das einzige feste Pantomimentheater in Westeuropa war. Zwei Jahre später wurde auf seine Initiative und unter seiner künstlerischen Leitung das Internationale Pantomimenfestival „Gaukler“ aus der Taufe gehoben, das in Zusammenarbeit und mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung der Stadt Köln zwölf Jahre zu den besten seiner Art in der Welt gehörte. Die Journalisten werteten die Stadt Köln als "Mekka der Weltpantomime".  In der intensiven über 25 Jahre andauernden Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut hat Milan Sladek mit seinem Ensemble mehr als fünfzig Länder der Welt besucht. Er hat an unzähligen Festivals rund um den Globus teilgenommen.  

 

Die pädagogische Arbeit von Milan Sladek findet zumeist Form in Projekten mit jungen Menschen. Er leitet regelmäßig Workshops nicht nur in seinem Theater, sondern auch in vielen unterschiedlichen Ländern der Welt.  1987 wurde er als Professor zur Leitung der Abteilung Pantomime an die Folkwang-Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Essen berufen.  1979 bis 2004 arbeitete er als Pädagoge mit dem von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer gegründeten Deutsch-Französischen Jugendwerk DFJW / Office franco-allemand pour la Jeunesse OFAJ zusammen.  Nach dem Fall des kommunistischen Regimes kehrte Milan Sladek erstmalig 1989 in seine Heimat zurück. 1994 wurde er Direktor des „Theater Arena“ in Bratislava. Er initiierte die Restaurierung des historischen Arena-Gebäudes und leitete bis Juni 2002 das neu gegründete „Internationale Institut für Bewegungstheater“.  In Jahr 2002 verließ Milan Sladek Bratislava und kehrte nach Deutschland zurück, um sich von Köln aus, neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit, an verschiedenen internationalen Projekten zu beteiligen.  

 

Im Jahr 2005 inszenierte er in Tokio „Die Dreigroschenoper“.  2006 nahm er an der Rekonstruktion der Uraufführung von J.W. Mozarts Pantomime „Pantalon und Columbine“ KV 446 für das Mozart-Festival in Wien teil.  Im Januar 2016 präsentierte Sladek vor der UNESCO in Paris seine Inszenierung „Antigone“. Es war die historisch erste Pantomimenvorstellung überhaupt auf dem Boden dieser Institution.

 

DIE WICHTIGSTEN PREISE UND AUSZEICHNUNGEN  

 

1963 - Preis des Kulturministeriums, Prag

 1965 - Grand Prix de Nancy, Theaterfestival Nancy   

1967 - Erster Preis für Regie, Theaterfestival Istanbul  

1968 - Preis des Kultusministeriums zum 5O-jährigen Jubiläum der Tschechoslowakei 

1968 - Leopold Daniels-Auszeichnung, USA  

1998 – „Zlatá bula“ Die Goldene Bulle der Stadt Bratislava  

2000 - Ludovit-Stur-ufzeichnung, überreicht vom slowakischen Staatspräsidenten Rudolf Schuster  

2000 - Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, verliehen durch Bundespräsidenten Johannes Rau  

2009 - Preis für sein Lebenswerk, Festival Gagy Slowakei  

2016 - „Stiftung Trebbia“ Europäische Auszeichnung, Prag  

2017 - Verleihung des Bauturm-Kunstpreises, Stadt Köln am Rhein „Theater im Bauturm“ 

 

2018 - Silbermedaille, überreicht durch den Rektor der Akademie für musische Künste in Prag